Wirbellose II

Es folgt Teil II der Ausführung der bei "Tiere" aufgeführten Übersicht (Hufeisenwürmer bis Stachelhäuter).

Hufeisenwürmer (Phoronida)

I

Die Hufeisenwürmer werden mit den folgenden Armfüßern in dem Taxon Brachiozoa vereint; morphologische und molekulargenetische Forschungen belegen, dass die beiden Stämme Schwestergruppen sind. 

Der Name "Hufeisenwürmer" bezieht sich auf den hufeisenförmigen Tentakelapparat, mit dem die Tiere das Wasser nach Nahrung filtrieren. Sie leben in mit Fremdkörpern durchsetzten Chitinröhren und oft in Assoziation mit Zylinderrosen in Meeressedimenten bis 400 m Tiefe. 

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Hufeisenwürmer. 

Armfüßer (Brachiopoda)

I

Armfüßer könnte man für Muscheln halten, da sie ebenfalls ein zweiklappiges Gehäuse aufweisen. Allerdings besitzen die Armfüßer keine linke und rechte, sondern eine obere und eine untere Klappe (Dorsal- und Ventralschale), wobei die bauchseits gelegene meist größer ist. Neben der Mundöffnung liegen zwei spiralig eingerollte Organe, die als Arme bezeichneten Kiemen. Mit diesen wird geatmet und Nahrung aus dem Wasser gesammelt; sie leben als sessile Filtrierer. Der eigentliche Körper ist von einem Mantel umgeben, der das Schalenmaterial absondert. Am Ende des Tiers tritt häufig ein muskulöser Stiel aus. Sie sind meist getrenntgeschlechtlich und pflanzen sich sexuell fort.   

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Armfüßer. 

Priapswürmer (Priapulida)

I

Die Priapswürmer und die nächsten sieben Stämme werden zu den Häutungstieren (Ecdysozoa) zusammengefasst. 


Ebenfalls werden sie mit den nächsten zwei Stämmen in dem Taxon Scalidophora vereint. 


Priapswürmer leben im oder auf dem Meeresboden. Der wurmförmige Körper kann unterteilt werden in den rüsselförmigen Kopfbereich und den in 30 bis 100 Ringe geteilten Rumpf; dieser ist innerlich aber nicht segmentiert. Er ist übersät von Scaliden, kleinen chitinhaltigen Dornen (die wohl der Fortbewegung und im Schlundbereich wahrscheinlich auch dem Beutefang dienen), und zahlreichen Grübchen und Papillen (die wohl als Sinnesrezeptoren dienen). Am Hinterende können sich ebenfalls Häkchen befinden. Priapswürmer sind getrenntgeschlechtlich. Es sind zahlreiche ausgestorbene, fossil überlieferte Arten bekannt.

Korsetttierchen (Loricifera)

I

Der Körper der nur einige hundert Mikrometer großen Tiere kann in einen von Stacheln besetzten Kopf, einen kurzen Hals, einen Brustteil und einen Rumpf, der von einem Panzer spitz zum Mundbereich zulaufender Platten umgeben ist, unterteilt werden. In ihn können Kopf, Hals und ein Stück Brustteil ineinanderschiebend eingezogen werden. Die Tiere leben an Sandkörnern und anderen Partikeln geheftet im Meer und sind wohl weltweit und bis in 8000 Meter Tiefe verbreitet. Korsetttierchen sind getrenntgeschlechtlich. 

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Pliciloricus enigmatus.

Hakenrüssler (Kinorhyncha)

I

Die wurmförmigen, in den Meeren lebenden Hakenrüssler sind fast immer 200 Mikrometer bis einen Millimeter groß, oft bräunlich-gelb gefärbt und am Bauch abgeflacht. Der Körper kann in Kopf, Hals und Rumpf, der genau in elf Segmente gegliedert ist, unterteilt werden. Der Kopf ist von vielen Häkchen besetzt, die in mehreren konzentrischen Ringen angeordnet sind und kann ein Stück weit eingezogen werden. Sinnesorgane sind zahlreiche Borsten, die über den Rumpf verteilt sind. Sie ernähren sich von Detritus und Kieselalgen, die von ihrem muskulösen Schlund eingesaugt werden. Hakenrüssler sind getrenntgeschlechtlich.

Fadenwürmer (Nematoda)

I

Die Fadenwürmer werden mit den folgenden Saitenwürmern in dem Taxon Nematoida vereint.

Dieser Stamm ist sehr artenreich; die Tiere sind längliche, fadenartige, weißliche Würmchen, die in feuchten Medien leben. Fadenwürmer stellen die meisten Individuen in der Tierwelt, schätzungsweise 80 %. Der Körper weist einen kreisrunden Durchschnitt auf und besitzt meist eine dicke Cutikula. Der Mundbereich wird oft von Fortsätzen, die der Nahrungsaufnahme und dem Tasten dienen, umgeben, kurz vor dem spitzen Hinterende mündet der Anus und der Körper wird von Längsmuskeln durchzogen, die der Fortbewegung dienen. Die Fortpflanzungsweise ist sexuell mit meist zwei getrennten Geschlechtern.

Saitenwürmer (Nematomorpha)

I

Die Saitenwürmer sind sandfarbene bis gräulich-dunkle, manchmal auch rötlich bis bräunliche Tiere, die ausgewachsen in Süßgewässern oder in der Gezeitenzone des Meeres leben. In der Regel ist der Körper sehr lang und sehr dünn. Eine schlüpfende Larve sucht sich einen Wirt und gelangt durch seine Nahrungsaufnahme oder durch Bohrung in weiche Körperteile in das Innere. Zwischenwirte sind möglich; im Innern nimmt die Larve über ihre Haut Nährstoffe aus dem Fettkörper des Wirts auf und wächst heran. Kurz vor Ende der Jugendentwicklung kann der Wirt derart beeinflusst werden, dass er das Wasser aufsucht - dann verlässt der Saitenwurm seinen Wirt und gelangt in das Wasser für Kopulation und Eiablage. Der Endwirt ist immer ein Gliederfüßer, Zwischenwirte können u.a. Fische oder Amphibien sein. 

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Ein den Wirt verlassender Saitenwurm. 

Bärtierchen (Tardigrada)

I

Der Stamm der Bärtierchen sowie die folgenden Stummelfüßer und Gliederfüßer werden in dem Taxon Panarthropoda vereint. 


Die Bärtierchen sind längliche, wenige hundert Mikrometer bis kaum 1,5 Millimeter große Tiere, die mit etwas Fantasie äußerlich Bären ähneln. Sie besitzen acht Beine und können äußerlich in Kopf und Körper unterteilt werden. Sie sind weltweit verbreitet und leben im Meer, im Süßwasser oder in feuchten Gebieten an Land, bsw. in Mooskissen. Die Ernährungsform kann von vegetarisch bis räuberisch reichen, wobei die Bärtierchen ihre Nahrung bzw. Beute anstechen und aussaugen. Eine Eigenschaft ist die Kryptobiose - ein todesähnlicher Zustand, durch den die Tiere extreme Umweltbedingungen überdauern können. Sie pflanzen sich meist geschlechtlich fort; manche Arten parthenogenetisch, also ohne Beteiligung von Männchen.

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Ein Bärtierchen.

Stummelfüßer (Onychophora)

I

Die kaum einen bis einige Zentimeter langen Stummelfüßer sind längliche, wurmartige Tiere. Der Körper ist segmentiert, weist der Fortbewegung dienende Stummelfüßchen auf und kann unterschiedlich bunt gefärbt sein. Der Kopfbereich trägt ein Paar geringelte Antennen und beherbergt neben der von sinnesempfindlichen "Lippen" umgebenden Mundöffnung auch links und rechts von dieser zwei Öffnungen, in die ein Paar Schleimdrüsen mündet. Diese liegen etwa in der Mitte des Körpers und sondern einen weißlichen Schleim ab, der beim Beutefang und zur Verteidigung verspritzt wird. Stummelfüßer leben in tropischen Gebieten und in der gemäßigten Zone der Südhalbkugel; sie vermehren sich auf sexuelle Weise. 

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Ein Stummelfüßer.

Gliederfüßer (Arthropoda)

I

Dieser Stamm ist der artenreichste in der ganzen Tierwelt; etwa 80% aller bekannten rezenten Tierarten gehören den Gliederfüßern an. Neben den Wirbeltieren ist es die einzige Gruppe, die Tiere hervorgebracht hat, die auf Beinen laufen. Fossilien von Stammgruppenvertretern sind seit dem frühesten Kambrium nachgewiesen; ihre tatsächliche Entstehung fällt daher mit hoher Wahrscheinlichkeit ins ausgehende Präkambrium (Ediacarium).


Der Körper der Gliederfüßer und seine Extremitäten sind segmentiert. An jedem Segment kann ein Paar ebenfalls in Abschnitte gegliederter Gliedmaßen (wie Antennen, Mundwerkzeuge oder Beine) entspringen. Im Laufe der Evolution kam es zu Segmentverschmelzungen, Tagmatisierung genannt - diese ist zum Beispiel bei den Insekten weit fortgeschritten. Bei den recht urtümlichen Remipedia, einer Klasse der Krebstiere, ist der Körper aber noch nahezu identisch segmentiert. Die Tausenfüßer hingehen weisen heute meist eine höhere Segmentierung auf als seine Vorfahren. 


Die Gliederfüßer besitzen ein Außenskelett aus Chitin, das durch Kalkeinlagerungen oft zu einem harten Panzer wird; es wird von der Epidermis nach außen abgeschieden. Es kann verschieden gefärbt, matt oder glänzend sein. Ein Wachstum ist nur dadurch möglich, dass diese Hülle abgestreift und ersetzt wird (Häutung genannt). 

 

Wesentliches Merkmal sind die seitlich liegenden, nach außen gewölbten Komplexaugen vieler Arten. Auch ein zweiter Typ von Augen, die Mittelaugen, kommen vor. Sie haben einen offenen Blutkreislauf und ein strickleiterförmiges Nervensystem, bestehend aus einem Gehirnknoten und dem doppelstrangförmigen Bauchmark. Die Atmung erfolgt über Kiemen, in die Körperoberfläche eingestülpte Kiemen (Lungen) oder Tracheen. 


Gliederfüßer sind meist getrenntgeschlechtlich und pflanzen sich sexuell fort; die Entwicklung zum geschlechtsreifen Tier ist häufig mit einer Metamorphose verbunden.

I

Krebstiere (Crustacea)

I

Die Krebstiere bilden den ersten Unterstamm der Gliederfüßer und weisen eine große Formenvielfalt auf; sie sind bis auf wenige Ausnahmen im Wasser zu finden. Der Kopf beherbergt zwei Paar Antennen und die Mundöffnung mit einem Paar Oberkiefer und zwei Paar Unterkiefer. Meist verschmilzt der Kopf mit einer gewissen Anzahl von Brustringen zu einem sogenannten Kopfbruststück (Cephalothorax), an dessen Bildung auch noch einige Ringe des Hinterleibes beteiligt sein können. Ein wesentliches Merkmal der Krebstiere sind die Spaltbeine; sie gabeln sich entlang ihres Verlaufs in zwei Äste auf und können verschieden spezialisiert sein. Die Krebstiere atmen durch Kiemen oder, wenn diese fehlen, durch ihre Körperoberfläche. Einige Arten haben sich zwar dem Landleben angepasst, aber selbst dann haben die Atmungsorgane wenigstens noch ein kiemenartiges Aussehen bewahrt. Sie besitzen in der Regel mehr als vier Paar Beine und der Chitin-Panzer ist durch Kalkeinlagerung oft besonders hart und krustenartig ausgebildet. Die meisten Krebstiere sind getrenntgeschlechtlich; nur bei einigen Arten wie schmarotzenden oder festsitzenden Formen kommt auch Zwittertum vor. Die Befruchtung erfolgt intern oder extern. 

I

Hufeisengarnelen (Cephalocarida)

I

Die Hufeisengarnelen bilden eine Klasse der Krebstiere. Es handelt sich hierbei um kleine, nur wenige Millimeter lange Tiere, die zwischen Wasser und Schlamm des Meeresbodens leben. Der Körper ist gestreckt und in Kopf, Vorderkörper mit neun Segmenten und Schwimmbeinen sowie Hinterkörper unterteilbar. Der Kopf wird von einem hufeisenförmigen Schild bedeckt, was den Tieren ihren Namen eingehandelt hat. Die Beine dienen nicht nur der Fortbewegung, sondern auch der Filtration des Wassers nach Nahrungspartikeln. Hufeisengarnelen sind Zwitter.

I

Remipedia

I

Die augen- und farblosen Remipedia leben in marinen Gewässern von speziellen Höhlensystemen. Der Kopf ist von einem Schild bedeckt und der Rumpf besteht aus vielen Segmenten, die mit doppelästigen Schwimmbeinen bestückt sind. Es sind simultane Zwitter.

I

Muschelkrebse (Ostracoda)

I

Muschelkrebse sind kleine, kaum einen bis wenige Millimeter große Krebstiere, die aquatisch oder halbaquatisch leben. Sie sind besonders durch zwei an eine Muschel erinnernde Schalen gekennzeichnet, die den Weichkörper schützend umhüllen. Der Weichkörper kann in Kopf und Rumpf unterteilt werden; am Kopf befinden sich Mundöffnung, Mundwerkzeuge und Antennen und am Rumpf ein bis drei Gliedmaßenpaare. Muschelkrebse sind meist getrenntgeschlechtlich - auch Parthenogenese kommt vor.

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Ein Muschelkrebs.

Kiemenfußkrebse (Branchiopoda)

I

Zweiästige Blattbeine sind ursprünglich Rumpfextremitäten und verliehen den Kiemen- oder auch Blattfußkrebsen ihren Namen. Sie sind für Atmung, Fortbewegung und auch Filtration von Nahrungspartikeln zuständig; die bekannten Wasserflöhe oder Salinenkrebse gehören beispielsweise in diese Gruppe. Kiemenfußkrebse bewohnen überwiegend das Süß-, teilweise aber auch das Meerwasser.  

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Gemeine Wasserflöhe (Daphnia pulex, Ordnung Krallenschwänze).

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Salinenkrebse (Artemia salina, Ordnung Kiemenfüßer).

Höhere Krebse (Malacostraca)

I

Größte Klasse der Krebstiere stellen die Höheren Krebse dar, zu denen die bekannten Krabben, Hummer, Flusskrebse, Lagusten und Garnelen ebenso gehören wie die Asseln. Im Allgemeinen besteht der Kopf aus sechs Segmenten mit zwei Antennenpaaren, Maxillen und Mandibeln, die Brust aus acht Brustsegmenten mit je einem Beinpaar und der Hinterleib aus sechs Abdominalsegmenten mit Pleopoden, die ursprünglich eine Schwimmfunktion haben; ursprünglich sitzen auch Augen auf beweglichen Stielen.

Kardinalsgarnele (Caridina dennerli, Ordnung Zehnfußkrebse). 

Gemeine Strandkrabbe (Carcinus maenas, Ordnung Zehnfußkrebse). 

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Ein Einsiedlerkrebs (Ordnung Zehnfußkrebse). 

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Clown-Fangschreckenkrebs (Odontodactylus scyllarus, Ordnung Fangschreckenkrebse).

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Verschiedene Landasseln (Oniscidea, Ordnung Asseln).

Maxillopoda

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Bei den Maxillopoda sind Abdomen und seine Anhängsel reduziert. Es handelt sich wohl um keine monophyletische Gruppe; die Seepocken zählen zu den Maxillopoda. 

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Seepocken (Balanidae, Teilklasse Rankenfußkrebse), angewachsen an Gemeiner Miesmuschel.

Sechsfüßer (Hexapoda)

I

Die Sechsfüßer bilden den artenreichsten Unterstamm der Gliederfüßer. Der Kopf trägt ein Antennenpaar und drei Paar Mundwerkzeuge: Die Mandibeln, Maxillen und das Labium. Der Brustbereich besteht immer aus drei Segmenten, denen jeweils ein Laufbeinpaar entspringt - zusammen macht das sechs Laufbeine, weswegen von Sechsfüßern gesprochen wird. Und der Hinterleib besteht im Grunde aus elf Segmenten, die aber bei einigen Arten verschmolzen sein können. Sechsfüßer besitzen Komplexaugen, Punktaugen (Ocellus) und ein oft gut ausgebildetes Tracheensystem.

I

Beintastler (Protura)

I

Die farblosen, weißlich bis gelblichen, feuchtliebenden Beintastler werden einen halben bis zwei Millimeter lang und leben in der Bodenschicht; meist einige Zentimeter tief. Der relativ kleine, birnenförmige Kopf mit den nach vorne gerichteten Mundwerkzeugen (die in einer röhrenförmigen Vorstülpung der Kopfwand eingeschlossen sind) und den beiden Pseudoculi-Organen weist weder Fühler noch Augen auf, der Rumpf, dem die sechs Beine entspringen, besteht typischerweise aus drei Segmenten und der Hinterleib besteht aus zwölf Segmenten (ein Segment mehr als alle anderen Sechsfüßer) und ist nach hinten etwas zugespitzt. Sie saugen Pilzfäden des Bodens aus und sind meist getrenntgeschlechtlich. 

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Ein Beintastler.

Doppelschwänze (Diplura)

I

Feuchtliebend und lichtscheu sind auch die Doppelschwänze, die im Boden, unter Steinen, unter Rinden oder in Höhlen leben. Der Kopf trägt die recht auffälligen und langen Antennen und besitzt keine Augen; die Mundwerkzeuge befinden sich in einer taschenartigen Struktur. Der Hinterleib weist zehn Segmente auf - am letzten Segment entspringen meist fadenförmige Schwanzanhänge (Cerci). Doppelschwänze leben räuberisch, ernähren sich von organischem Material des Bodens oder von Pilzfäden. Die Spermienübertragung der getrenntgeschlechtlichen Tiere erfolgt indirekt. 

I

Springschwänze (Collembola)

I

Springschwänze kommen in den unterschiedlichsten Gebieten der Erde vor und leben oft in Humusschichten feuchter Böden (dabei bis mehrere Meter tief) oder an verrottendem Pflanzenmaterial. Auch hier ist die typische Dreiteilung des Körpers in Kopf, Brust und Hinterleib vorhanden - die Mundwerkzeuge liegen ebenfalls in einer taschenartigen Struktur und der Hinterleib weist nur sechs Segmente auf; am vierten Abdominalsegment liegt die typische Sprunggabel (Furca genannt, mit der die Tiere ein Vielfaches der eigenen Körperlänge weit springen können). Bei den im Boden lebenden Arten ist diese Sprunggabel zurückgebildet, welche stattdessen Wehrsekrete absondern. Die meisten Arten sind Detritusfresser.

I

Insekten (Insecta)

I

Die Klasse der Insekten ist die artenreichste der ganzen Tierwelt und ihre Vertreter finden sich fast überall auf der Erde. Der Körper ist meist deutlich in Kopf, Brust und Hinterleib gegliedert, wobei sich mehr oder weniger seitlich am Kopf die Komplexaugen und die Punktaugen befinden, das Fühlerpaar entspringt und im vorderen Bereich die leistungsfähigen Mundwerkzeuge liegen, die unterschiedlichen Ernährungsweisen angepasst sind (z.B. ausgebildet als Beißkiefer, Leckrüssel, Saugrüssel, Stechrüssel). Das röhrenförmige Herz des offenen Blutkreislaufs liegt auf der Rückenseite und das Tracheensystem ist gut ausgebildet - es ist in den Flügeln vieler Insekten erkennbar. So bilden eine Unterklasse die Fluginsekten (Pterygota) mit den namensgebenden Flügeln, die von den letzten beiden Brustsegmenten getragen werden; es sind auch Arten eingeschlossen, die das Flugvermögen im Laufe der Evolution wieder verloren haben. Zu den Fluginsekten gehören fast alle Tiere, die bei dem Wort "Insekt" in den Sinn kommen: Libellen, Schaben, Termiten, Heuschrecken, Boden-, Staub- und Tierläuse, Schnabelkerfe (darunter die Zikaden, Wanzen und Pflanzenläuse), Netzflügler, Käfer, Hautflügler (darunter die Ameisen und Bienen mit den Hummeln), Schmetterlinge, Flöhe und Zweiflügler (mit den Mücken und Fliegen), um einige zu nennen. Die weiteren Unterklassen sind die Fischchen (Zygentoma) und Felsenspringer (Archaeognatha). Nur wenige Insektenarten sind Zwitter; die meisten sind getrenntgeschlechtlich. Eine Reihe von Arten pflanzt sich durch Parthenogenese fort. 

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Graue Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa, Ordnung Schnabelkerfe, Unterklasse Fluginsekten). 

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Gemeine Blutzikade (Cercopis vulnerata, Ordnung Schnabelkerfe, Unterklasse Fluginsekten).

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Kongo-Rosenkäfer (Pachnoda marginata, Familie Blatthornkäfer, Ordnung Käfer, Unterklasse Fluginsekten).

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Rossameise (Camponotus, Familie Ameisen, Ordnung Hautflügler, Unterklasse Fluginsekten).

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Waldmistkäfer (Anoplotrupes stercorosus, Familie Mistkäfer, Ordnung Käfer, Unterklasse Fluginsekten). 

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Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum, Ordnung Libellen, Unterklasse Fluginsekten). 

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Riesen-Blattschrecke (Stilpnochlora couloniana, Ordnung Heuschrecken, Unterklasse Fluginsekten). 

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Ackerhummel (Bombus pascuorum, Familie Echte Bienen, Ordnung Hautflügler, Unterklasse Fluginsekten).

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Westliche Honigbiene (Apis mellifera, Familie Echte Bienen, Ordnung Hautflügler, Unterklasse Fluginsekten). 

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Amerikanische Großschabe (Periplaneta americana, Ordnung Schaben, Unterklasse Fluginsekten).

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Igelfliege (Tachina fera, Familie Raupenfliegen, Ordnung Zweiflügler, Unterklasse Fluginsekten).

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Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus, Familie Schwebefliegen, Ordnung Zweiflügler, Unterklasse Fluginsekten).

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Großer Kohlweißling (Pieris brassicae, Familie Weißlinge, Ordnung Schmetterlinge, Unterklasse Fluginsekten) und seine Raupe.

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Esparsetten-Widderchen (Zygaena carniolica, Familie Widderchen, Ordnung Schmetterlinge, Unterklasse Fluginsekten).

Tausendfüßer (Myriapoda)

I

Die Tausenfüßer bilden einen weiteren Unterstamm der Gliederfüßer und sind ausschließlich landlebend. Der Körper kann in Kopfkapsel mit einem Paar Antennen, zwei oder drei Paar Mundwerkzeugen und einen langen Rumpf, der gleichartig gegliedert ist und dem zahlreiche Beinpaare seitlich oder bauchseits entspringen, unterteilt werden. Augen sind bei einigen Arten vorhanden, bei einigen Arten aber auch nicht. Die Beinzahl ist meist zwei-, höchstens dreistellig; die ursprünglichsten Gruppen weisen hingegen weniger Beinpaare auf. Es wird daher angenommen, dass die hohe Beinzahl kein primitives, sondern ein im Laufe der Evolution erworbenes Merkmal darstellt.

I

Hundertfüßer (Chilopoda)

I

Die weltweit in verschiedenen Habiaten und dabei am zahlreichsten in den Tropen vorkommenden, lichtscheuen und feuchtigkeitliebenden Hundertfüßer bilden eine Klasse der Tausendfüßer. Der Rumpf ist einheitlich segmentiert; auch die große Giftklaue, die sich aus dem ersten Laufbeinpaar entwickelte, ist bei allen Hundertfüßern zu finden. An der Unterseite und direkt vor den Giftklauen liegt der Mundraum des meist abgeplatteten, mit Antennen besetzten Kopfes. Alle Hundertfüßer tragen das letzte Laufbeinpaar erhoben, welches oft umgebaut ist - diesem folgen zwei weitere Segmente, die keine Laufbeinpaare, aber oft andere Anhängsel tragen. Ihr Chitinpanzer enthält nie Kalkeinlagerungen, weswegen er recht biegsam ist. Fast alle Arten besitzen zur Verteidigung Wehrdrüsen und sind aggressiv; es handelt sich um räuberische Tiere. Die Übertragung der Spermien erfolgt über Spermapakete (Spermatophoren). 

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Gemeiner Steinläufer (Lithobius forficatus).

Zwergfüßer (Symphyla)

I

Ebenfalls lichtscheu und feuchtigkeitsliebend sind die Zwergfüßer, die nicht größer als neun Millimeter werden. Der Körper ist in zwölf einheitliche, jeweils ein Laufbeinpaar tragende Körpersegmente gegliedert. Einige Segmente bilden aber mehr als eine dieser als Tergite benannte Struktur aus, weswegen häufig mehr als zwölf Rückenplatten erkennbar sind. Das erste Beinpaar kann reduziert sein oder vollständig fehlen. Der Kopf ist flach und der Mundbereich ist recht weit an der Unterseite angebracht; ihm entspringt ein Paar Gliederantennen. Sie besitzen nur ein einziges Paar Tracheenöffnungen - anders als alle anderen Tracheentiere. 

I

Doppelfüßer (Diplopoda)

I

Die Doppelfüßer bilden die artenreichste Klasse der Tausendfüßer - besonders viele Arten sind auch hier in den Tropen zu finden; sie leben bevorzugt feucht und dunkel im Boden oder in zerfallenem Holz. Der Kopf ist recht stark gewölbt und die anhängenden, kurzen Fühler werden nach unten gebogen, um den Boden abzutasten. Wesentliches Merkmal ist die Verschmelzung von den durch Kalksalzeinlagerungen recht harten ­­Rumpfsegmenten zu Doppelsegmenten. Entsprechend entspringen den Doppelsegmenten auch zwei Paar Laufbeine. Nur die ersten vier Rumpfsegmente sowie das letzte Körperglied bleiben selbstständig und weisen ein Laufbeinpaar auf. Viele Arten besitzen unter der Rückenhaut liegende Wehrdrüsen und können die Sekrete mehrere Zentimeter weit verspritzen. Doppelfüßer ernähren sich von pflanzlichen Stoffen und sind nur selten räuberisch; bei den ursprünglichen Arten erfolgt die Spermienübertragung indirekt und bei den weiter entwickelten Arten direkt. 

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Bandfüßer (Ordnung Polydesmida).

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Telodeinopus aoutii

(Ordnung Spirostreptida).

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Schwarzer Schnurfüßer (Tachypodoiulus niger, Ordnung Schnurfüßer).

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Gerandeter Saftkugler (Glomeris marginata, Ordnung Saftkugler).

Sandschnurfüßer (Ommatoiulus sabulosus, Ordnung Schnurfüßer).

Wenigfüßer (Pauropoda)

Höchstens zwei Millimeter werden die Wenigfüßer lang; sie sind weltweit verbreitet und leben einige Zentimeter bis Dezimeter tief im Boden. Der Rumpf ist wie bei allen Tausendfüßern gleichmäßig gegliedert - man kann oft weniger Rückenplatten zählen, als eigentlich vorhanden sind, da einige Segmente keine dieser als Tergite benannten Strukturen ausbilden. Der Kopf, dem ein Paar von Nebengeißeln besetzte Gliederantennen entspringen, ist recht klein, weswegen das Gehirn in das erste Rumpfsegment hineinragen kann. Augen fehlen den Tieren. zweite Maxille fehlt wie bei den Zwergfüßern und die Mandibeln sind zugespitzt, womit sie Pilzfäden des Bodens anstechen und anschließend aussaugen. Die Spermienübertragung erfolgt indirekt über eine Art Gespinst, auf dem Spermientropfen von den Männchen abgelegt und dort von den Weibchen aufgenommen werden. 

I

Kieferklauenträger (Chelicerata)

I

Der Körper der Kieferklauenträger ist in Kopfbruststück (Prosoma) und Hinterleib (Opisthosoma) unterteilbar. Die Kopfbrust trägt insgesamt sechs Paar Gliedmaßen: Das erste Paar sind die Kieferfühler (Cheliceren), das zweite Paar sind die Kiefertaster (Pedipalpen) - beide stehen im Dienste der Nahrungsaufnahme - und die restlichen vier Paar sind die Beine, die vorwiegend der Fortbewegung dienen. Nur bei den Pfeilschwanzkrebsen folgt auf die Cheliceren gleich das erste Laufbeinpaar; dieses entwickelte sich bei den Geißelskorpionen und Geißelspinnen zu den sogennanten Fühlerbeinen. Im Hinterleib liegen die lebenswichtigen Organe; auch Spinndrüsen oder einen beweglichen Schwanz mit Giftstachel kann er bei den entsprechenden Arten tragen. Die Sehorgane der Kieferklauenträger bestehen aus Einzelaugen, die im vorderen Bereich des Kopfbruststücks liegen. Ursprünglich hatten die Kieferklauenträger Komplexaugen, die mittlerweile aber nur noch bei den Pfeilschwanzkrebsen vorhanden sind. Bei vielen Arten ist der Körper mit Haaren besetzt, die der Vermittlung von Tastempfindungen dienen. Meist sind sie Bewohner des Landes; nur wenige Arten (etwa Wasserspinnen und Wassermilben) haben sich dem Aufenthalt im Wasser angepasst. Die geschlechtliche Fortpflanzung kann direkt oder auch indirekt durch Spermienpakete erfolgen. 

I

Asselspinnen (Pycnogonida)

I

Die Klasse der Asselspinnen beherbergt oft bunt gezeichnete Tiere, die ausschließlich in den Meeren vom Flachwasserbereich bis in die Tiefsee vorkommen. Ihr stabförmiger Körper ist im Vergleich zu den Beinen sehr zierlich gebaut und der Hinterkörper ist stark reduziert. Alle Asselspinnen leben räuberisch und ernähren sich von weichhäutigen Lebewesen wie Schwämmen, Moostierchen, Schnecken und Hydroidpolypen. 

I

Spinnentiere (Arachnida)

I

Zu den Spinnentieren gehören u.a. die Webspinnen, Weberknechte, Geißelspinnen, Geißelskorpione, Skorpione und Milben. Kopfbruststück und Hinterleib können recht deutlich voneinander getrennt sein, etwa bei den Webspinnen und Skorpionen, oder auch miteinander verwachsen sein, beispielsweise bei den Weberknechten und Milben. Die Skorpione besitzen einen langen Schwanz mit Giftstachel, während der Hinterleib anderer Arten Spinndrüsen beherbergt. Sie besitzen keine Komplexaugen sondern nur Punktaugen, die teilweise sehr gut ausgebildet sein können. 

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Ein Weberknecht (Ordnung Opiliones).

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Trauerwolfsspinne (Pardosa lugubris, Familie Wolfsspinnen, Ordnung Webspinnen). 

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Baumvogelspinne (Poecilotheria formosa, Familie Vogelspinnen, Ordnung Webspinnen).

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Listspinne (Pisaura mirabilis, Familie Jagdspinnen, Ordnung Webspinnen).

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Goldener China-Skorpion (Mesobuthus martensii, Ordnung Skorpione). 

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Typopeltis sp. (Ordnung Geißelskorpione).

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Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus, Familie Echte Radnetzspinnen, Ordnung Webspinnen).

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Heidekrabbenspinne (Xysticus acerbus, Familie Krabbenspinnen, Ordnung Webspinnen). 

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Gehöckerte Krabbenspinne (Thomisus onustus, Familie Krabbenspinnen, Ordnung Webspinnen), Weibchen und Männchen. 

Pfeilschwanzkrebse (Merostomata)

I

Die rotbraun bis schwarzbraun gefärbten Pfeilschwanzkrebse sind die einzigen Überlebenden der (umstrittenen) Merostomata und können als lebende Fossilien bezeichnet werden. Ihr Körper ist unterteilbar in einen hufeisenförmigen Vorderleib und einen kleineren Hinterleib - letzterer trägt einen spitzen Schwanz, der dem Steuern und Umdrehen bei Rückenlage dient. Vorder- und Hinterkörper sind durch ein Gelenk verbunden; das Außenskelett ist kräftig, fest und frei von Kalkeinlagerungen. Neben Punktaugen sitzen an den Seiten des Rückenschilds zwei Komplexaugen, die jedoch einfacher gebaut sind als die der Krebstiere, Sechsfüßer und Tausendfüßer. Pfeilschwanzkrebse leben in den Küstenbereichen tropischer Meere und wühlen im Schlamm des Bodens auf der Suche nach Nahrung; hierzu gehören Würmer, Schnecken und Muscheln. Nur gelegentlich schwimmen sie auch kurze Strecken. 

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Pfeilschwanzkrebs (Limulidae).

Kiemenlochtiere (Hemichordata)

I

Die Kiemenlochtiere und die Vertreter der folgenden zwei Stämme werden zu den Neumündern (Deuterostomia) zusammengefasst. Bei den Neumundtieren wird in der Embryonalphase der Urmund im Verlauf der Gastrulation zum After und der Mund entsteht neu. Desweiteren liegt das Zentralnervensystem rückenseits.

Überdies werden die Kiemenlochtiere mit den als nächstes vorgestellten Stachelhäutern in dem Taxon Ambulacraria vereint. 


Kiemenlochtiere sind weltweit in den Meeren verbreitet und besitzen einen wurmförmigen, weichen und innerlich unsegmentierten Körper, der unterschiedlich gefärbt sein kann. Typisch ist die Gliederung in die drei Teile Kopflappen (in der Klasse Flügelkiemer schildartig geformt), kurzer Kragen, in dem die Mundöffnung liegt, und langer Rumpf. Insbesondere in der Klasse der Eichelwürmer befinden sich hier bis zu hundert Kiemenspalten, durch die die Tiere atmen und das aufgenommene, filtrierte Wasser ableiten. Entweder graben sich die Kiemenlochtiere durch das Sediment, wobei der enthaltene organische Inhalt aufgenommen und verdaut wird, oder sie filtrieren das Wasser nach Nahrung wie Algen. Die Tiere sind getrenntgeschlechtlich und können sich neben der geschlechtlichen Fortpflanzungsweise auch ungeschlechtlich durch Abschnürung vermehren.

I

Eichelwürmer (Enteropneusta)

I

Fast alle Arten dieser Klasse graben mithilfe ihres eichelförmigen Vorderteils u-förmige Gänge in den Boden, das Vorwärtsbewegen erfolgt durch wellenförmige Muskelkontraktionen. 

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Saccoglossus sp.

Flügelkiemer (Pterobranchia)

I

Die Flügelkiemer leben meist kolonial am Meeresboden und filtrieren mithilfe ihres Tentakelapparates Nahrung aus dem Wasser.

Stachelhäuter (Echinodermata)

I

Die Stachelhäuter leben ausschließlich in den Meeren; im Süßwasser sucht man sie vergeblich. Namensgebend sind die stachelaufweisenden Körper vieler Arten, etwa bei den Seeigeln oder Seesternen. Zahlreiche Fossilien belegen, dass die Blütezeit der Stachelhäuter in weiter Vergangenheit liegt; erste sichere Funde werden dem frühen Kambrium zugeordnet.


Der Körper aller Stachelhäuter hat einen strahligen Bau und die Zahl fünf scheint ihren Bauplan zu bestimmen. So trägt der Gemeine Seestern fünf Arme und es ziehen in fünf Reihen die Saugfüßchen bei den Seeigeln von einem Körperpol zum anderen; ebenso über den Leib der Seegurke. Die Haut besteht im Allgemeinen aus einer Oberhaut und einer darunterliegenden, dicken Lederhaut, die das Skelett (bestehend aus Calcit mit Magnesiumoxidanteil) ausbildet. Die Panzerplatten der Seeigelschale entwickeln sich aus Verschmelzungen winziger Kalkkörperchen; bei den Seegurken bleiben diese Kalkkörperchen lose in der Lederhaut liegen und festigen diese. 

 

Pigmentzellen sind für die Färbung der Tiere verantwortlich; so kann der Körper mancher Arten bei Änderung der Lichtverhältnisse eine andere Farbe annehmen. Der Darm ist einfach gebaut und zieht sich bei den See- und Schlangensternen direkt vom Mund zum After, wohingegen er bei den Seewalzen, Seelilien und Seeigeln gewunden ist. Das Nervensystem besteht meist aus einem Nervenring, der um den Schlund liegt und fünf davon ausstrahlenden Nervenstämmen. Viele Stachelhäuter sind recht lichtempfindlich - die Sinnesorgane sind aber nur gering ausgebildet. 

 

Mit wenigen Ausnahmen sind die Stachelhäuter getrenntgeschlechtlich und die Befruchtung erfolgt extern im Wasser. Aber auch ungeschlechtliche Fortpflanzung durch sogenannte Fissiparie kommt vor. Darunter versteht man die Vermehrung durch den Verlust von Körperteilen, bsw. kann aus dem Armteil eines Seesterns ein neues Tier entstehen - die Regenerationsfähigkeit ist bei vielen Arten extrem hoch. 

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Pelmatozoen (Pelmatozoa)

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Beim Unterstamm Pelmatozoen handelt es sich um Stachelhäuter, die - wenigstens in ihrer Jugend - eine sessile Lebensweise besitzen. 

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Seelilien und Haarsterne (Crinoidea)

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Bei den Seelilien und Haarsternen sitzt der kelchförmige Körper auf einem Stiel, der an einem festen Untergrund angeheftet ist. Am Kelchrand entspringen fünf Arme, die sich aber weiter teilen und 10- oder auch 20-armige Kronen bilden können; durch fiederartige Armansätze (Pinnulae) wird das Wasser nach Plankton filtriert und in den Mund befördert. Die Haarsterne besitzen nur in ihrer Jugend eine sessile Lebensweise; im Laufe ihrer Entwicklung verlieren sie den Stiel und damit die Sesshaftigkeit. Sie können sich dann frei im Wasser bewegen, klettern und schwimmen (wobei sie aber dennoch meist hemisessil leben). Im Gegensatz zu den See- und Schlangensternen liegt bei ihnen die Mundöffnung auf der Oberseite des Körpers. 

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Crinoidea von der Seite.

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Mittelmeer-Haarstern (Antedon mediterranea).

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Eleutherozoen (Eleutherozoa)

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Die Arten der Eleutherozoen leben nicht sessil und können sich frei in den Ozeanen bewegen.

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Seesterne (Asteroidea)

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Seesterne sind flache Tiere, bei denen der scheibenförmige Körper meist in fünf breite Arme auszieht. Die Oberseite weist gelappte, dünne Auswüchse auf, die eingezogen werden können und als Kiemen dienen. Auch die kleinen, zahlreichen Füßchen beteiligen sich am Gasaustausch. Sie liegen in den fünf Furchen in der Mittellinie der Arme und zusammen mit der Mundöffnung auf der Unterseite des Tiers. Dem Mund schließt sich ein kurzer Schlund an, der sich zu einem geräumigen Magen erweitert - der Magen kann bei einigen Arten auch ausgestülpt und über die Beute gezogen werden. Das Skelett besteht aus recht locker miteinander verbundenen Kalktafeln, weswegen die Seesterne auch ziemlich biegsam sind. Die Regenerationsfähigkeit ist extrem hoch; ist das Mittelstück des Körpers unversehrt, wachsen abgerissene Arme wieder nach. Ebenso können aus einzelnen Armen neue Tiere entstehen, Fissiparie genannt. Sonst pflanzen sich die Seesterne geschlechtlich fort und die Befruchtung erfolgt extern.

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Lincks Walzenseestern (Protoreaster linckii, Ordnung Klappensterne).

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Oranger Seestern (Linckia sp., Ordnung Klappensterne). 

Schlangensterne (Ophiuroidea)

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Auch bei den Schlangensternen ist der flache Körper meist in fünf Arme ausgezogen. Allerdings können sie ihre Arme schlangenartig biegen und einrollen, wodurch eine Fortbewegung und das Umschlingen von Nahrung möglich ist. Die Arme sind scharf abgesetzt und voneinander entfernt; sie weisen Skelettplatten auf der Ober- und Unterseite auf, weswegen ihnen auch die Furchen der Unterseite fehlen - die kleinen Füßchen treten zwischen ihnen und den seitlichen Randschildern heraus. Schlangensterne besitzen ebenso wie die Seesterne eine sehr hohe Regenerationsfähigkeit - droht Gefahr, werfen sie oft einfach einen Arm ab. 

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Gebänderter Schlangenstern (Ophiolepis superba).

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Olivgrüner Schlangenstern (Ophiarachna incrassata).

Seeigel (Echinoidea)

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Das auffälligste Merkmal der kugelförmigen, flachen oder auch herzförmigen Seeigel ist wohl der von zahlreichen Stacheln besetzte Körper. Sie dienen dem Schutz und - zusammen mit vielen Saugfüßchen - auch der Fortbewegung. Zwischen den Stacheln stehen die Pedizellarien, kleine "Greifzangen" auf kalkgestützten Stielen. Diese stehen teilweise mit Giftdrüsen in Verbindung und können so zur Verteidigung eingesetzt werden; schließen sie sich einmal, wirft sie der Seeigel ab, da sie sich nicht wieder öffnen können. Viele Pedizellarien liegen im Bereich des Mundraums, wo sie Beute ergreifen und an die Saugfüßchen weitergeben, welche die Nahrung wiederum zum Mund befördern. Auch dienen sie der Reinlichkeit - auf dem Seeigel liegengebliebene Ausscheidungsprodukte (aufgrund der Rückenlage des Afters) werden zu feinem Mulm zermörbt. Seeigel besitzen ein panzerartiges und kalkhaltiges Skelett, das zusammen mit den Stacheln von der Epidermis überzogen wird. Bemerkenswert ist ihr Kauapparat, der unter dem Namen "Laterne des Aristoteles" bekannt ist; meißelförmige Zähnchen, die durch einen umfangreichen Muskel- und Kalkspangenapparat, der um den Vorderdarm liegt, beweglich sind, um den Mundraum liegen und oberflächliche Nahrung wie Algen oder anderen Aufwuchs abweiden können. Die Befruchtung der getrenntgeschlechtlichen Tiere erfolgt extern durch Abgabe großer Keimzellenmengen in das Wasser. Es wurden Fortpflanzungsgruppen beobachtet, bei denen sich eine Vielzahl von Individuen dicht an dicht zusammenfanden - so ist bei Abgabe der Keimzellen die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Befruchtung deutlich erhöht.

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Roter Diademseeigel (Astropyga radiata, Familie Diademseeigel).

Diadema setosum (Familie Diademseeigel).

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Kugel-Seeigel (Mespilia globulus, Familie Temnopleuridae), rechts das Skelett.

Seewalzen (Holothuroidea)

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Bei den Seewalzen oder auch Seegurken ist der fünfstrahlige Bau äußerlich nur noch schwer zu erkennen. Es kann eine Bauchseite von einer Rückenseite unterschieden werden; auf ersterer liegen drei der fünf Reihen Saugfüßchen. Sie besitzen kein richtiges Skelett, sondern nur Kalkkörperchen in ihrer dicken, lederartigen Haut - der von Längs- und Ringmuskulatur durchzogene Hautmuskelschlauch übernimmt die Stützfunktion. Viele Seewalzen haben um ihre Mundöffnung Tentakel, mit denen sie Plankton aus dem Wasser filtrieren; auch Sedimentfresser kommen vor. Seewalzen sind getrenntgeschlechtlich und die Befruchtung erfolgt extern im Wasser.  

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Bunte Seegurke (Pseudocolochirus violaceus).